Inspirierende Begegnungen

Skulptur auf der Halde Rheinelbe in der Dämmerung
Abendstimmung auf der Halde Rheinelbe

Wieder ist eine Woche schnell vergangen – ich darf Gedichten lauschen, Arbeiten an einem Kunstprojekt mitverfolgen und lerne kleine Weisheiten fürs Leben.

Besondere Freuden dieser Woche

  • einen Text schreiben, der binnen einer Woche uraufgeführt wird
  • Sonnenuntergang auf einer Halde erleben
  • starke Gedichte auf dem Literaturfestival „nah & fern“ hören
  • die Entstehung einer Kunstinstallation mitverfolgen

Nicht nur Fußball Mit Kunst die Stadt verändern

Gruppe sitzt am Tisch
Treffen zur Programmplanung (v.li.): Mabel Yu-ting Huang, Dawid Liftinger, Roman Milenski, Matthias Krentzek, Sarah Rissel und Ole-Kristian Heyer

In den vergangenen Tagen habe ich mich im Stadtteil Schalke umgesehen. Dort entstehen gerade zwei Kunstinstallationen im Rahmen der Transurban Residency – und ich durfte vorab etwas von den Planungen, Konzepten und Überlegungen der Kunstschaffenden erfahren: Die Pianistin und Performerin Mabel Yu-ting Huang, der Licht- und Soundkünstler Dawid Liftinger und der Fotograf Ole-Kristian Heyer entwickeln gemeinsam eine Kunstinstallation für eine Unterführung an der Berliner Brücke.

Die drei setzen sich intensiv mit dem Ort auseinander, analysieren zum Beispiel die unterschiedlichen klanglichen Schichten, die einander dort überlagern (gelegentlich ratternder Güterverkehr auf der Schiene, der rauschende Autoverkehr auf der Brücke, dazwischen, in den seltenen Verkehrspausen, auch mal Vogelgezwitscher).

Ich lasse mich anstecken und begebe mich auf Entdeckungstour rund um die Orte, die im Rahmen der Transurban Residency bespielt werden (gleichzeitig mit der Kunstinstallation in der Unterführung entsteht am Schalker Markt eine weitere Arbeit: eine öffentliche Installation des Kunst- und Architekturkollektiv YA+K). Ausgehend von meinen Eindrücken verfasse ich auf Anregung von Mabel Yu-ting Huang einen Text, der im Rahmen der offiziellen Eröffnung am morgigen Samstag (24.07.) uraufgeführt werden soll (kommt vorbei! siehe Termine).

Starke Verse im Metropolengarten

Auf dem Literaturfestival „nah & fern“ höre ich am vergangenen Samstag in der Sektion „fern“ einige starke Gedichte, insbesondere von Sanaz Zaresani und Issam Alnajm. Die Lyrikerin Sanaz Zaresani liest auf Farsi und Deutsch aus ihrem Lyrikband Silhouette. Ihre Texte kreisen eindrücklich um die Themen Liebe, Folter, Repression und Selbstbehauptung. Issam Alnajm, der regelmäßig für die Zeitung neu in deutschland schreibt, trägt einige unveröffentlichte Gedichte vor (für die er noch einen Verlag sucht – ich drücke ihm und uns Lesenden die Daumen!), darunter diese Verse, zitiert mit freundlicher Genehmigung des Autors:

Jeder von uns muss irgendwann
sein eigenes Zuhause verlassen
das Zuhause ist nicht nur
die Familie oder das Land
sondern die Erinnerungen und die Gefühle
die liebevollen Umarmungen
die man als Kinder oder als Erwachsener bekommt

Issam Alnajm
Issam Alnajm liest aus einem Manuskript
Issam Alnajm bei der Lesung auf der Bühne im Metropolengarten

Das lerne ich außerdem

  • Zwischen auf Schalke und in Schalke besteht ein wesentlicher Unterschied.
  • Im Ruhrgebiet sagt man nicht Kiez, sondern Viertel oder auch Siedlung.
  • Lyrik ist überall, auch an der Hähnchenbude (siehe Foto).
Leuchtschrift „Mach dir eine Freude iss ein Hähnchen“
Nicht nur die fehlende Interpunktion erinnert (mich) an ein Gedicht: Die Leuchtschrift am Imbiss vor der Fatih-Moschee in Essen verspricht Freude und wirbt fürs Hähnchenessen

2 Gedanken zu „Inspirierende Begegnungen

  1. Das klingt nach vielen spannenden Eindrücken! Ist dein Text für die Transurban Residency irgendwo nachzulesen? Und klärst du uns (bzw. mich) noch über den Unterschied zwischen „auf Schalke“ und „in Schalke“ auf? Die Hähnchenbudenlyrik gefällt mir sehr, haha!

    1. Sehr gern teile ich mein frisch erworbenes Wissen: Wenn ich in Schalke bin, dann befinde ich mich in einem Gelsenkirchener Stadtteil. Passiert etwas auf Schalke, dann geht es um Fußball (in Anlehnung an Bergmannsjargon, schön erklärt in diesem Artikel: „Warum sagt man ‚auf Schalke‘?“). Zu Deiner anderen Frage: Der Text ist (noch) nirgends nachzulesen, ich möchte ihn aber gern teilen und werde mir was überlegen.

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