Heimweh und Hilfsbereitschaft

Wimmelbild auf Hauswand

Diese Woche holt mich das Heimweh ein – und Abhilfe kommt sofort. Ich entdecke Kunst, lerne neue Leute kennen und streife durch mein Viertel.

Kleine Begegnungen, für die ich dankbar bin

Der eine reagiert kritisch, wenn er das Ruhrgebiet als Tatort-Kulisse dargestellt findet (siehe Kommentare zum vorigen Post), die andere kann es nicht mehr hören, wenn Leute, die zum ersten Mal da sind, das viele Grün und die Freundlichkeit der Menschen loben. Offenbar ist es schwierig, um Klischees und um deren wiederum klischeehafte Brechung herumzukommen. Hier also (vermutlich) wieder eins: die Hilfsbereitschaft und, ja, Freundlichkeit, auf die ich in den vergangenen Tagen in Gelsenkirchen treffe. Zum Beispiel:

  • die scheinbar unerschöpfliche Geduld, mit der ich am VRR-Serviceschalter in der Buchhandlung im Bahnhof sowie im Bogestra-Kundencenter zum Thema Monatsticket beraten und versorgt werde (was für ein ausgefeiltes Tarifsystem!) – während hinter mir die Schlange derjenigen wächst, die einfach nur ihr Ticket für den am nächsten Tag beginnenden neuen Monat kaufen wollen
  • der Mann, der von seinem Tisch im Café aufspringt und mir zur Hilfe eilt, als ich, beladen mit einem Rucksack, einer Tasche, einer Tüte Äpfel und einer Packung Klopapier, versuche, die leeren Kartons zu tragen, die ich im Supermarkt abgestaubt habe (Verwendungszweck: Verdunklung fürs Schlafzimmerfenster basteln). Obwohl ich versichere, dass ich das schon hinkriege, besteht er darauf, die widerspenstigen Kartons bis vor meine Haustür zu tragen (was tatsächlich sehr hilfreich ist)
  • die Bibliotheksmitarbeiterin, die mich gleich erkennt und mir einen Ausweis für drei Monate ausstellt (der ist pandemiebedingt erforderlich, um die Bibliothek überhaupt zu betreten)
  • die vielen Angebote und Einladungen – auf einen Kaffee, auf ein Essen, zu einem Literaturfestival, zu einer Präsentation, zu einem Spaziergang, zu zwei Führungen …

Diese Woche komme ich mir mehrmals wie in einem Imagefilm vor, der zeigt, wie die Neue gut aufgenommen und integriert wird.

Heimweh und Abhilfe

Trotzdem ereilt mich diese Woche auch heftiges Heimweh. Am Freitag habe ich überhaupt keine Lust, etwas zu unternehmen oder zu entdecken (und davon hier zu berichten). Am Abend gebe ich mir einen Ruck und gehe zur Präsentation der Open Spaces im Halfmannshof. Dort lausche ich Norbert Labatzki, der Schlager vorträgt (unter anderem „Der Mond von Wanne-Eickel“), und dem Wandelkonzert „Die tönende Stadt“ von Michael Gees (mit zwei Chören, die über den Hof hinweg einander gleichsam zusingen), betrachte unter anderem Werke von Bernhard Klug und Jo Scholar, folge den verzweigten Linien der „Mechanical Bugs“ von Jannine Koch, tauche mit Natalie Pieloks Installation „Watery Coalscape“ ins Wasser ab (ich halte es fürs Meer, lese aber später, dass sie für die Installation Unterwasseraufnahmen im Rhein-Herne-Kanal gemacht hat) und bleibe länger vor der Arbeit „Speicherplatz GE“ von René Sikkes stehen, in der Fotografien und Texte ineinandergreifen, um Erinnerungen sichtbar zu machen.

Künstlerinnen und Künstler würden sich stellvertretend für uns alle mit existenziellen Fragen auseinandersetzen, sagte Stephanie Olbering, Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Gelsenkirchen, dem finanziellen Förderer der Open-Space-Stipendien, zur Eröffnung der Präsentation – während des Abends geht mir dieser Satz immer wieder durch den Kopf. Es ist für mich die erste Kulturveranstaltung seit Langem, bei der ein persönlicher Austausch (in Präsenz!) möglich ist, und ich genieße es sehr.

Hauswände in Ückendorf

Am Wochenende streife ich durch mein Quartier und achte auf die Hauswände – und darauf, was Leute sich einfallen lassen, um das Viertel zu verschönern bzw. ihre Spur darin zu hinterlassen.

Ausblick

In den kommenden Tagen habe ich bereits einiges vor:

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